SchwarzwaldGegenwind
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03.09.2021

Zur Sache: Die Stromproduktion durch Wasserkraft im Südwesten - Ein Dialog mit dem Deutschlandfunk

„Aber irgendwoher muss der Strom doch kommen…“

Nicht wenige von uns haben diesen Satz schon vielfach gehört. Die Gespräche im Bekanntenkreis, mit Freunden und Verwandten münden in den Klimawandel, zu den angeblich „erneuerbaren“ Energien ist es dann nicht mehr weit. Die Diskussion wird emotionaler, zuweilen leidenschaftlicher.

Schlagworte, wie sie auch und vor allem in den recht unbedarften und undifferenzierten öffentlichen politischen und medialen Diskussionen auftauchen, dominieren hernach das Gespräch, das sich bestenfalls noch auf der Ebene eines Meinungsaustauschs befindet.

Sichtbar werden dann die politischen und medialen Defizite, entstanden nicht selten in einer erstaunlichen Mixtur: Einerseits sind es guter Wille, Unwissen, Unbedarftheit und Voreingenommenheit. Andererseits bestimmen interessenbezogenes, finanzielles Kalkül, Ignoranz, Frechheit, Trotz und nicht selten Rücksichtslosigkeit den öffentlichen Diskurs. Ohne in der Sache substanzielle Information und Aufklärung zu geben.

Nicht selten endet die inzwischen gar nicht mehr unterhaltsame Unterhaltung resignierend mit dem Schluss-Akkord des mittlerweile nur noch als Gegenseite auftretenden Gegenübers. Und dann hören wir ihn wieder, diesen Satz, diese merkwürdige Mischung aus nicht zugegebenem Unwissen, nicht gewagtem Widerspruch und Vorwurf, dass „aber irgendwoher der Strom doch kommen muss“.

So, wie es Harald Senn ergangen ist, der sich einer leider in den deutschen Medien gewohnt einseitigen und unzulänglichen Betrachtung zum Thema „Ausbau der Windenergie an Land in Deutschland im ersten Halbjahr“ gegenübergestellt sah, als er den Korrespondenten des Deutschlandfunks, Theo Geers, nach dessen Beitrag vom 21. Juli d. J. angeschrieben hatte.

In seiner Antwort verfällt der DLF-Redakteur dann jedoch in die gängigen, üblichen Klischees, wie sie nahezu immer und immer wieder – mit Ausnahmen – in den deutschen Medien festzustellen sind. Auch wenn ihm bewusst ist, dass die Windausbeute in Süddeutschland geringer als in Norddeutschland ist. Allerdings bezweifelt er, dass sich daraus ableiten lassen würde, dass im Südwesten weiterhin deutlich weniger Windkraftanlagen zu errichten sind – ohne, wie er zugibt, „Zahlen parat zu haben“.

Dabei gibt Herr Geers (wörtlich) schlicht zu bedenken, dass im Süden der Strom auch in Zukunft platt gesagt aus der Steckdose kommen muss. Schließlich gäbe es in der Industrie einen gewaltigen Nachfrageschub, so dass „auch Süddeutschland kaum um eine nennenswerte Eigenproduktion herumkommen würde. Da andernfalls ansiedlungswillige Unternehmen dahin gehen würden, wo sie diesen Strom verlässlich bekommen“.

Wie so häufig, so wird auch hier allzu deutlich, dass (sogar zugegebene) Unwissenheit gepaart mit Halbwissen und Idealvorstellung zu Meinung führt. Im Falle des Deutschlandfunks jedoch umso fataler, als sich ein seriös gebendes und auch durchaus anerkanntes Medium vor eine Verhaltensweise spannen lässt, die als Zeitgeist in Deutschland sprichwörtlich durch die Medien geistert und die Menschen in einer mehr als zweifelhaften Weise beeinflusst. Frei von entscheidenden Fakten, die objektiv in meteorologischen Daten und Aufzeichnungen, in den Grundlagen der Physik und hier sogar in den Publikationen der lobbyistisch tätigen Agenturen der finanziellen Nutznießer des in seiner Entstehung und Durchführung undurchsichtigen und dubiosen Erneuerbare Energien Gesetzes, EEG, zu finden sind.

Die Rolle, in der sich die Medien in diesem Lande seit geraumer Zeit wähnen, weicht ab vom herkömmlichen Grundverständnis einer Branche, der eigentlich ein überaus wichtiges Korrektiv im gesellschaftlichen Geschehen zukommt.

Wie sehr es auch genau so sein kann, diese Rolle zu erfüllen, zeigt das am 20. Juli in der NZZ veröffentlichte Interview mit Hans Weiss unter dem Titel «Die Schweiz wird immer hässlicher» – eine Geschichte des Landschaftsschutzes.

Sie finden es im Link und Kurzkommentar nach Harald Senns folgender Korrespondenz mit dem Deutschlandfunk, in dem dieser einmal klar herausstellt, wie sehr und wie lange schon gerade der Südwesten Deutschlands eine herausragende Rolle in der dauerhaften und vor allem grundlastfähigen Stromversorgung übernommen hat.

Er macht damit deutlich, dass das überwiegend interessengebundene, auf Gier nach Geld beruhende populistische und nicht selten dümmliche Beharren auf einer unzuverlässigen Energiegewinnung, der Windkraft, mit hier im Südwesten nur marginalen Erträgen nicht nur überflüssig ist, sondern natur- und landschaftszerstörend den Menschen die Heimat verleidet und nimmt.

„Aber irgendwoher muss der Strom doch kommen…“
Der Dialog mit dem Deutschlandfunk:

— Original-Nachricht —
Betreff: Höreranmerkung/Kritik: Herr Geers - Wirtschaft & Gesellschaft 21-07-27 zum Ausbau der Windenergie an Land in Deutschland im ersten Halbjahr
Datum: 31. August 2021, 17:38

Sehr geehrter Herr Geers,

Vielen Dank für Ihre Antwort.

Anbei noch ein paar Fakten, die die besondere Situation der Südwestecke Deutschlands darstellen.

Bitte bleiben Sie dabei, pauschalisieren Sie nicht, sondern hinterfragen Sie Sachverhalte genau.

Der Schwarzwald liefert schon seit 100 Jahren echten, Klimaneutralen Strom.

Zudem trägt der Südschwarzwald mit seinen Tages-und Jahreswasserspeichern einen sehr großen Anteil zur Stabilisierung des Europäischen Verbundnetzes bei.

Die viel gerühmten Stromrebellen EWS aus Schönau liefern nur grün - gewaschenen Strom auf dem Papier, physikalisch kommt der Strom aus unseren Steckdosen zu über 80% aus unseren Wasserkraftwerken.

Kraftwerk Wehr
Eines der leistungsstärksten Pumpspeicher-
werke Europas

Es ist eines der größten seiner Art in Europa: das Kavernenkraftwerk Wehr. Mit einer
mittleren Jahreserzeugung von 1,16 Mrd. kWh können rechnerisch fast eine Million
Menschen zwölf Monate lang mit Strom versorgt werden.
Vier Maschinensätze arbeiten zuverlässig verborgen im Innern des Berges. Ist zu
wenig Strom im Netz, springen die Turbinen mit einer Gesamtleistung von 910 MW
ein – bei Stromüberfluss speichert das Kraftwerk überschüssige Energie in Form von
Wasser.

Das Kavernenkraftwerk Säckingen

Die Maschinen des Kavernenkraftwerks Säckingen besitzen eine Generatorleistung von 360 MW

Die Schluchseewerk AG: Von der Kraft des Wassers angetrieben

In fünf Kraftwerken mit insgesamt 20 Maschinensätzen stellt die Schluchseewerk AG eine maximale Leistung von 1.836 MW im Turbinenbetrieb und 1.604 MW im Pumpbetrieb bereit.
Zudem ist mit dem Schluchsee der größte Akku Deutschlands fest in unsere Erzeugung und Speicherung sauberen Stroms integriert.

Laufwasserkraftwerke am Oberrhein

Heute produzieren am Oberrhein – zwischen Basel und Karlsruhe – zehn große Wasserkraftwerke jährlich rund 9 Mrd. kWh Strom. Mit ihren Staustufen- und Schutzdämmen regulieren sie auch die Wassermengen, die der Rhein mit sich führt, und leisten einen wichtigen Beitrag zum Hochwasserschutz.

Wasserkraftwerke am Hochrhein

In seinem Lauf zwischen Bodensee und Basel nimmt der Rhein ein Gefälle von 150 Metern. Mit seiner starken Strömung und der gleichmäßigen Wasserführung zwischen den hohen steilen Ufern war er schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts prädestiniert, elektrische Energie nach Südbaden und in die Schweiz zu bringen. Eine Kette von 13 Wasserkraftwerken entstand, die älteren von ihnen wurden modernisiert und ausgebaut.
Jahresstrommengen:

Rheinfelden
600 Mio. kWh

Ryburg-Schwörstadt
760 Mio. kWh

Säckingen
490 Mio. kWh

Reckingen
250 Mio. kWh

An der Wiese und den von ihre abgeleiteten Gewerbekanälen befinden sich 37 Kleinkraftwerke, im Einzugsgebiet der Wiese sind es 73 Anlagen..[21]

Die 11 von der EnergieDienst AG im mittleren Wiesental (Mambach bis Steinen) betriebenen Wasserkraftwerke produzieren im Durchschnitt 22,4 Mio. kWh/Jahr und können damit rund 9000 Haushalte versorgen. Für die übrigen Betreiber sind die Daten unvollständig, aber es wird davon ausgegangen, dass etwa 15000 Haushalte durch die Kleinwasserkraftwerke an der Wiese versorgt werden können.[24]
Quelle: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Wiese_(Fluss)

Auch an den Flüssen Kleine Wiese, Wehra, Murg, Alb, Schwarza, Schlücht, Steina und Wutach, ec. tragen dutzende Klein-Wasserkraftwerke zu einer CO2-neutralen Stromerzeugung für die Region bei.

Zudem führt eine internationale Stromtrasse durch den Breisgau und das Markgräfler Land zum Stern von Laufenburg, einen der größten Hochspannungsschaltanlagen Europas, die eine Leistung von ca. 12 AKWs (12 GW) übertragen kann.

Die Stromerzeugung und Leitungsanbindung in unserer Ecke ist schon lange in der Zukunft angekommen.

Der Stern von Laufenburg
https://www.swissgrid.ch/de/home/operation/power-grid/star-of-laufenburg.html

https://youtu.be/302anlY_B9g

Das Unterwerk Laufenburg ist der Ursprung des europäischen Verbundnetzes. Hier wurden die Netze von Frankreich, Deutschland und der Schweiz 1958 zusammengeschaltet (weitere Infos und eine Film finden Sie hier).

Vom sogenannten «Stern von Laufenburg» gehen vier Stromautobahnen (mit je 3 Stromkreisen) über den Rhein nach Deutschland, die gesamthaft maximal ca. 12 GW Leistung transportieren können, was etwas mehr als die Spitzenlast der Schweiz an einem kalten Wintertag ist (ca. 10 GW). Der Großteil der Leitungen bleibt in Deutschland, ein kleiner Teil geht weiter bis nach Frankreich ohne Anschlusspunkt in Deutschland.

Natürlich gibt es noch weitere Grenzleitungen zwischen Deutschland und der Schweiz. Insgesamt können alle 41 Grenzleitungen der Schweiz mit Deutschland, Frankreich, Österreich und Italien ungefähr vier Mal die Spitzenlast eines Wintertages transportieren.

Laufenburg bleibt auch über 60 Jahre nach der Entstehung des europäischen Netzes eines der wichtigsten Unterwerke Europas. Die zentrale Lage der Schweiz in Europa führt dazu, dass sie eine wichtige Rolle für den Stromtransport in Kontinentaleuropa erfüllt. Über die Alpen verbindet das Schweizer Stromnetz den Norden mit dem Süden Europas.

Freundliche Grüsse
Harald Senn

Dieser Email lag Harald Senns folgender Einwand zur Sendung an dessen Verfasser, Theo Geers,  zugrunde sowie dessen dazu im Wesentlichen im einleitenden Kommentar erwähnte Beantwortung.

Von: HaraldSenn@t-online.de <HaraldSenn@t-online.de>
Gesendet: Dienstag, 27. Juli 2021 18:06
An: Hörerservice, Deutschlandradio <Hoererservice@deutschlandradio.de>

Sehr geehrter Herr Geers,

in Ihren Berichten zum Ausbau der Windindustrie Anlagen in Deutschland wird immer wieder die geringe Anzahl von Anlagen in Bayern und BW thematisiert, ohne auf die geologischen Verhältnisse im Bezug zu laminaren Windströmungen dieser Länder und auf das Windaufkommen einzugehen, was für einen wirtschaftlichen Betrieb solcher Anlagen wichtig ist.

Dass sich die Anlagen für die Investoren in diesen beiden Ländern wirtschaftlich tragbar betreiben lassen hängt nur mit einer zusätzlichen Förderung nach dem Referenzertragsmodell zusammen und nicht mit den physikalischen Gegebenheiten Vorort.

Es käme doch auch niemand auf die Idee für Baden-Württemberg gleich viele schiffbare Kanäle zu bauen, wie sie in Norddeutschland vorhanden sind.

Alleine die Zahl der installierten Windkraftanlagen ergibt doch keine Aussage über den damit zur Verfügung gestellten Strom. Windindustrieanlagen an Land erbringen nur ca. 16% bis 25% der installierten Leistung pro Jahr und nachweislich im Süden am wenigsten.

Folgende Frage stellt sich doch auch:
Welchen volkswirtschaftlichen Wert hat Windstrom aus dem Schwarzwald im Verhältnis zu der Umweltzerstörung durch den Bau solcher Anlagen in den bewaldeten Gipfelregionen?

Solaranlagen Betreiber bauen zwischenzeitlich Anlagen, die eine Ost - West - Ausrichtung aufweisen, weil der Strom zwischen 10:00 Uhr und 14:00 Uhr an der Strombörse fast keinen Wert mehr hat, da in dieser Zeit an sonnigen Tagen jetzt schon eine Überkapazität besteht.

Die im Betrieb befindlichen Windindustrieanlagen im Schwarzwald dümpeln bei normalen Wetterlagen bei ca. 10% ihrer installierten Leistung herum, oder stehen still. Nur beim Durchzug einer Wetterwende, oder bei Sturmwetterlagen produzieren diese Anlagen Leistungen in der Nähe der Auslegungswerte.

Da sich aber solche Wetterlagen in den aller seltensten Fällen lokal im Südwesten abspielen, werden in ganz Deutschland Überkapazitäten an Strom erzeugt, was zu einem extremen Preisverfall an der Leipziger Strombörse führt und an immer mehr Tagen im Jahr auch zu negativen Preisen.
Die Windkraft Betreiber und Investoren stört das nicht, da sie 20 Jahre lang eine festgeschriebene Einspeisevergütung erhalten. Sogar, wenn die Anlagen abgeregelt werden müssen, also gar keinen Strom erzeugen, erhalten sie fürstlichen Entschädigungen.
Bei genauer volkswirtschaftlicher Betrachtung würde man feststellen, dass der Schwarzwälder Windstrom zum größten Teil zu Zeiten erzeugt wird, in denen schon Stromüberschuss besteht.
Wenn ein Sturmtief über die Nordsee zu den Alpen zieht, und schon fast alle Windindustrieanlagen in der Nord- und Ostsee bis zu den Mittelgebirgen wirkliche Leistung bringen, kommen die Anlagen im Südschwarzwald als letztes hinzu, genau dann, wenn kein zusätzlicher Strom benötigt wird und der Börsenstrompreis sogar negativ ist.
Die Situation, dass der Südschwarzwald für wenige Stunden als erstes von einem starken Südwestwind getroffen wird und dann zu einem realistisch hochwertigen Strompreis einspeisen kann, ist die absolute Ausnahme.
Bei einem Genehmigungsverfahren für Windindustrieanlagen, bei denen großflächige Abholzungen erforderlich sind, muss auch dahingehend eine wirkliche zusätzliche Prüfung erfolgen. Genau dann, wenn kein zusätzlicher Strom benötigt wird und der Börsenstrompreis sogar negativ ist.
Die Situation, dass der Südschwarzwald für wenige Stunden als erstes von einem starken Südwestwind getroffen wird und dann zu einem realistisch hochwertigen Strompreis einspeisen kann, ist die absolute Ausnahme.
Bei einem Genehmigungsverfahren für Windindustrieanlagen, bei denen großflächige Abholzungen erforderlich sind, muss auch dahingehend eine wirkliche zusätzliche Prüfung erfolgen.

Bitte hinterfragen Sie auch solche Sachverhalte intensiver.

Mit freundlichen Grüßen
Harald Senn

Was für die Schweiz gilt, ist auch im Schwarzwald relevant.

Auszüge aus dem NZZ – Artikel vom 20.07.2021
Marc Tribelhorn im Interview mit Hans Weiss

Eine Geschichte des Landschaftsschutzes  - «Die Schweiz wird immer hässlicher» – eine Geschichte des Landschaftsschutzes
Seit einem halben Jahrhundert kämpft Hans Weiss gegen die Zubetonierung und Zersiedelung der Schweiz. Was läuft falsch? Und wie löst man das Dilemma zwischen Energiewende und intakter Landschaft? Eine Besichtigung im Gelände.

Der «Landschaftsfraß»

So gilt auch bei der Energiewende das «ceterum censeo» von Hans Weiss: «Die Landschaft ist unsere kostbarste Ressource. Einmal ihrer Eigenart und Schönheit beraubt, wächst sie nicht mehr nach.»

Das größte Dilemma, mit dem sich der Landschaftsschutz derzeit konfrontiert sieht, ist die Energiewende. Um klimaneutral zu werden, muss die Schweiz den Anteil der erneuerbaren Energie in den kommenden Jahren rasant steigern, andererseits ist damit meist eine Verbauung oder gar Zerstörung der Landschaft verbunden – durch Windparks, Photovoltaik und Wasserkraftwerke. Die Biodiversitätsinitiative, über die derzeit in Bundesbern diskutiert wird, zeigt exemplarisch die Zielkonflikte zwischen Schutzinteressen der Umwelt und der Nutzung erneuerbarer Energie.

Die wenig schmeichelhaften Bezeichnungen für die Kritiker kennt Weiss seit 50 Jahren: Bremser, Verhinderer, Ewiggestrige, Befürworter einer «Ballenbergisierung» der Schweiz. Er reagiert gelassen: «Ich habe überhaupt nichts gegen erneuerbare Energien, im Gegenteil. Aber es braucht gesunden Menschenverstand und eine landesweite Planung.»

Was er damit meint: Die Schweiz ist kein Windland; weshalb sollen staatlich subventioniert in Gemeinden im ganzen Land 200 Meter hohe Windräder aufgestellt werden, die für die Energiegesamtbilanz fast nichts bringen? «Das ist Verhältnisblödsinn. Der Preis der Landschaft ist viel zu hoch.»

Ohne Hans Weiss gäbe es hier heute keinen lärmfreien Wanderweg und schon gar keine Flussauen mehr am Hinterrhein. Dafür eine vierspurige Autobahn mitten durch diese einzigartige Naturlandschaft. Es war einer der ersten großen Erfolge für Hans Weiss, den Doyen des Schweizer Landschaftsschutzes. Seine Mission seither, leidenschaftlich und hartnäckig:

“Der Kampf gegen die «friedliche Zerstörung» des Landes.”

Damals, vor 50 Jahren, war die Sorge um die Natur noch klein – sowohl bei der Bevölkerung als auch in der Politik. Wer sich für Biodiversität aussprach, wurde belächelt: «Vergeude doch deine Zeit nicht mit blüemeln!» Wer klare Regeln für Bauzonen forderte, wurde angeherrscht: «Solche Ideen kannst du jenseits des Urals vertreten!» Heute sind diese Anliegen Mainstream, eine Selbstverständlichkeit. Und so erzählt das Leben und Wirken von Hans Weiss auch die Geschichte des Umweltschutzes in der Schweiz.

Herr Weiss, unlängst ist Ihr Buch «Achtung: Landschaft» erschienen, eine Bilanz und Abrechnung zugleich. Wird die Schweiz weiter kaputt gebaut?

Es ist noch nicht alles vercheibed. Und es gibt weiterhin Schönes, wofür es sich zu kämpfen lohnt. Aber noch immer interessieren sich viele Leute erst für den Landschaftsschutz, wenn die Baugespanne vor dem eigenen Garten stehen oder die Schmetterlinge auch am Ferienort fehlen. Das Buch ist mein Beitrag gegen die Geschichtsvergessenheit. Die schönsten Landschaften in der Schweiz haben wir nur noch, weil sich engagierte Bürgerinnen und Bürger einst für ihren Schutz einsetzten.

https://www.nzz.ch/schweiz/landschaftsschutz-die-schweiz-wird-immer-haesslicher-ld.1636033?mktcid=smsh&mktcval=WhatsApp

Admin - 19:52:39 @ Neuigkeit