SchwarzwaldGegenwind
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26.07.2021

1000 neue Windräder in Baden-Württemberg - (K)ein Zukunftsmodell?

Der Titel des Beitrags von unserem Gastautor deutet es an : Klaus Hellmuth Richardt  stellt die geplante Installation von allein 1000 Windindustrie-Anlagen in den Staatsforsten durch die neue baden-württembergische Landesregierung nicht nur in Frage. Der Autor des Buchs „Damit die Lichter weiter brennen“ – erschienen bei tredition, ISBN: 978-3-347-11278-0 - in dem er die Chancen und Risiken der Energiewende in Deutschland beleuchtet und  für eine durchdachte,  professionelle sowie schrittweise Energie- und Verkehrswende plädiert, weist im folgenden Beitrag gezielt auf die Widersprüchlichkeiten und Widersinnigkeiten einer ungenügend durchdachten Energierwende hin.

Letztes Jahr erschien diese Anzeige zum Thema Windkraft im Schwarzwald:

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Der Unterzeichner und diverse Bürgerinitiativen wollen verhindern, dass das windarme Bundesland Baden-Württemberg mit ineffizienten Windrädern zugestellt wird.

Die Landesregierung dagegen will in ihrer neuen Legislaturperiode 1000 neue Windräder im Staatswald aufstellen um die erneuerbare Energieproduktion zu verbessern.

Auch die neuen Windräder werden nichts daran ändern, dass Baden-Württemberg eines der windärmsten Bundesländern ist, mit geringerer Windproduktion als anderswo oder am Meer.

Ein Windatlas mit widersprüchlichen Aussagen

Der Windatlas Baden-Württemberg von 2019 (erstellt von Fa. Alpro aus Großheide im Auftrag des Baden-Württembergischen Umweltministeriums) gibt Empfehlungen für Windkraftstandorte in der Region, basierend auf eigenen Windmessungen und einer Simulationsrechnung. Merkwürdig, dass die Ergebnisse zur Wind-Leistungsdichte je Standort [W/m²] nicht mit den Meßdaten des deutschen Wetterdienstes zur mittleren Windgeschwindigkeit und den eigenen (Alpro-)Meßdaten zusammenpassen:

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Kopie Seite 37, Alpro Windatlas Baden-Württemberg 2019

Anmerkung zu Tabellentext ab, bis, < und >: DWD-Windgeschwindigkeit außerhalb ALPRO-Tabelle,die nur von 5–7,3 m/s ging.

So sind auf den Seiten 35 – 37 des Windatlas Windgeschwindigkeitsmeßdaten für die einzelnen Regionen Baden-Württembergs mit den zugehörigen Windleistungsdichten aufgeführt. Korreliert man diese Meßdaten mit der vom deutschen Wetterdienst (DWD) ermittelten mittleren Windgeschwindigkeit (s.u. bzw. roter Kasten oben), erhält man Windleistungsdichten, die meist kleiner sind als jene im Text auf den Seiten 40 - 44 von Alpro im Windatlas genannten (s.o.).

Zusätzlich ist anzumerken, dass die Leistung der Windkraft in größeren Höhen, entsprechend der geringeren Luftdichte stark zurückgeht. Dies führt bei gleicher Windgeschwindigkeit im Hochschwarzwald zu einem Leistungsabfall um 13% gegenüber dem Rheintal. Übrigens: Diesen Effekt spüren Sie auch beim Skifahren im Hochgebirge: Man bekommt schlechter Luft wegen der niedrigeren Luftdichte, am Himalaya benötigt man sogar ein Sauerstoffgerät.

Die Windgeschwindigkeiten [m/s] beim DWD sind wie folgt farblich codiert:

03_Karte.pngAbbildung: Mittlere Windgeschwindigkeit in Baden-Württemberg (DWD)

Das heißt, mit Ausnahme der Schwäbischen Alb und auf den Schwarzwaldhöhen beträgt die mittlere Windgeschwindigkeit in den meisten Teilen Baden-Württembergs 3,9 – 5,4 m/s (grün + gelb), sehr viel weniger als im Rest der Republik.

Eine Übersichtskarte des UBA zeigt den Ausbaustatus der deutschen Windparks im Juni 2020 (blaue Kreise), bei der sich die Windkraftwerke eher in den Starkwindgebieten konzentrieren:

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Die Nennleistungen der o.g. Windparks betragen:

05_Tabelle2.pngMit 1,644 GW Ausbauleistung in Baden-Württemberg ist die Kapazität der Windkraftwerke gering, dies entspricht 2,65% des bundesweiten Bestandes, kein Wunder bei wenig Wind.

Schätzungen - nicht nachvollziehbar

Wie wir bereits weiter oben gezeigt haben, passt die von Alpro an den einzelnen Standorten im Text zu hoch geschätzte Windleistungsdichte nicht zu den gemessenen mittleren Windgeschwindigkeiten des Deutschen Wetterdienstes.

Wie sieht es aber mit der bisherigen Jahreserzeugung aus?

Die deutsche Windguard GmbH hat im Auftrag des ‚Bundesverbandes Windenergie‘ im Jahre 2020 zwei Studien erstellt, die die Situation der Windkraft auf See und an Land beleuchtet. Damit erhält man für das Jahr 2020 folgende Erzeugungs- und Auslastungsdaten für ganz Deutschland:
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Dividiert man die jeweilige Jahreserzeugung [1 TWh = 1000 GWh] durch die installierte Leistung [GW] erhält man die Zahl der möglichen Volllaststunden oder Volllasttage pro Jahr, d.h. im Jahr 2020 hat die Erzeugung an Land in Deutschland nur für 85 Tage und jene auf See nur für 155 Tage gereicht.

Energie-Entnahme ohne tatsächlichen Gewinn

Das heißt, wenn der Ertrag aller deutschen Windkraftwerke an Land nur für 85 Tage reicht, kann es bei einem geringeren Winddargebot, wie in Baden-Württemberg, nur noch weniger Ertrag einbringen. Im Schwarzwald sind das nur 37,5 bis 54 Tage (900 bis 1300 h, s. Titelblatt ‚Rettet den Schwarzwald‘).

Und trotzdem will man 1000 weitere Windräder in den Staatsforsten aufstellen, mit nachfolgenden Auswirkungen auf die Natur:

Angenommen, man installiert 1000 Windräder der 4 MW-Klasse, mit D= 140 m Rotordurchmesser, erhält man folgenden Platzbedarf:

1. Bedarf an Abstandsfläche, um Wirbel am Nachbarwindrad zu vermeiden:

          Mindestabstand: 5 x Durchmesser = 5 x 140 m = 700 m;

          Ca. 1000 Windräder bedecken eine Fläche mit 32 x 32 = 1024 Stück,

          also je Achsrichtung 32 x 0,7 km = 22,4 km; 22,4 x 22,4 km² = 501,8 km²

2. Bedarf an Freiflächen für Rotor, Kran, Montageablage, Zufahrtsstraßen je Windrad:

          a. Rotorfläche (um sich um 360° drehen zu können): ∏ D²/4 = 15.386 m²

          b. Kranstellplatz + Lagerfläche beim Windrad (100m x 100m) = 10.000 m²

          c. 2 scharfe 90°-Kurven im Wald, mit 75 m-Trailer (75 x 75) m²   5.625 m²

          d. Straßenfläche Zufahrt (6,5 m breit, 700 m lang):   4.550 m²

          Gesamtfläche je Windradstandort [m²]: 35.561 m²

3. Flächenverbrauch bzw. erforderliche Rodungsfläche für 1000 Windräder:

          1000 x 35.561 m² = 35.561.000 m² 35,561 km²

4. Flächenanteil bei Windradaufstellung im Staatswald von Baden-Württemberg:

Laut Broschüre ‚Waldland Baden-Württemberg‘ des Ministeriums für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg beträgt die aktuelle Fläche des Staatswaldes 323.585 ha oder 3235,85 km².

Einfallstor für Waldschäden unterschiedlichster Art
Abholzung für Windräder von 35,561 km² = 1,1 % des Staatswalds in BW

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Somit würden 1000 neue, in diesem Staatswald aufgestellte Windräder auf eine Gesamtaufstellfläche von 501,8 km² einwirken, das sind 15,51% der Staatswaldfläche (s. Bild von Google-Earth).

Jeder Einschnitt in den Wald bildet Stolperkanten mit Wirbelerzeugung bei Starkwind, was zu größeren Bruchschäden führen kann, die die Lücke vergrößern und in der Folge weitere Schäden generieren.

Wie allgemein bekannt, führen Windräder in Waldgebieten zu verstärkter Austrocknung wegen der Durchmischung der bodennahen und höheren Luftmassen, weil die abendliche kalte Luft mit Taubildung sich nicht mehr am Boden absetzen kann.

Windparks nehmen viel Energie aus dem Wind, was zu Wetterveränderungen durch Verminderung der Ausgleichsströmungen zwischen Hoch- und Tiefdruckgebieten führen kann. Dies erleben wir gerade mit nahezu ortsfesten Unwettern und stabilen Hochs ohne Veränderung. Dass dieser Bremseffekt beim Wetter hausgemacht sein kann oder dass er schon früher auftrat, kommt niemandem in den Sinn. Die Protagonisten der Energiewende führen das einzig und allein auf die Temperaturerhöhung durch den CO2-bedingten Klimawandel zurück, obwohl Windräder und Fotovoltaik selbst eine Menge Abwärme produzieren.

Zudem trat bereits weit vor der Industrialisierung, am 22. Juli 1342 das bisher höchste Hochwasser mit tausenden von Toten, das ‚Magdalenenhochwasser‘ auf, das das ganze Rheintal und seine Nebenflüsse verwüstete. Man führt es auf ein stehendes Tiefdruckgebiet zurück, wie es jetzt in den Hochwassergebieten vorkam.

Bezüglich der Umweltschäden durch Windparks muss man die gewaltige Schädigung von Insekten und Vögeln, die in Frankreich bereits zu Betriebseinschränkungen (kein Tagesbetrieb im Windpark La Baule) bzw. Abrissanordnungen des Windparks Lunas geführt haben, ebenfalls berücksichtigen. Zudem wurde festgestellt, dass besonders Fledermäuse umgekommen sind, weil sie in der Nacht den Windrädern zum Opfer fielen. Übrigens: Wurden nicht gerade Eisenbahntunnels gesperrt, um die Fledermäuse zu schützen??

So dreht sich eine Windturbine der 4 MW-Klasse und 140m Durchmesser 5 – 16 mal in der Minute, dabei legt die Rotorspitze je Umdrehung einen Weg von 439,6 m zurück. Mit 5 Umdrehungen pro Minute ergibt das eine Geschwindigkeit von 36 m/s oder 117 m/s bei 16 Umdrehungen pro Minute. 10 m/s entsprechen 36 km/h, weshalb die Rotorspitze bei 5 U/min eine Geschwindigkeit von 130 km/h hat, bei 16 U/min von 421 km/h. Insekten, Fledermäuse und Vögel, die mit so etwas zusammenstoßen sind absolut chancenlos.

Die Landwirte werden verpflichtet, zum Schutz der Insekten und Vögel, Teile der Feld- und Wiesenraine freizuhalten, damit diese dort nisten und sich verbreiten können. Nur der Schutz vor Windrädern wurde vergessen.

Übrigens: Die Betreiber von Wasserkraftanlagen sind bereits seit Jahren verpflichtet, Fischtreppen und ‚Stromzäune‘ um die Anlagen herum einzuführen, um das ‚Häckseln‘ von Fischen zu vermeiden. Warum lässt man diese Massaker aber bei Vögeln und Insekten zu? Das ist inkonsequent, wenn man die Natur wirklich schützen will.

Fazit:

Die Installation von 1000 Windturbinen im Baden-Württembergischen Staatswald

• Ist wegen geringer Erzeugung (max. 85 Volllasttage) technischer und wirtschaftlich                     Nonsens,

• Vernichtet auf einer Aufstellfläche von 501,8 km² (15,51% vom Staatswald) eine große Menge von Insekten und Vögeln,

• Trocknet diese Aufstellfläche komplett aus und verändert das Wetter,

• Vernichtet durch Abholzung 35,561 km² Wald (1,1 % vom Staatswald)

Schlussbemerkung:

Bitte beachten Sie diesen Artikel als Denkanstoß, nochmals über die großflächige Installation von Windkraftwerken ergebnisoffen nachzudenken, um vielleicht Alternativen zu finden, die wirtschaftlich sind (ohne zusätzliche EEG-Vergütung sind das Windkraftanlagen nämlich nicht) und die die o.g. Eingriffe in und Schäden an der Natur vermeiden helfen.

Sprechen Sie mit den Betroffenen, z.B. der Initiative www.schwarzwaldgegenwind.de oder vernunftkraft.de. Wir brauchen wieder einen Dialog aller gesellschaftlichen Gruppen und darauffolgend ein gemeinschaftlich erarbeitetes Ergebnis.

Hier ´die Guten` und dort ´die Bösen` verstärkt nur die Spaltung der Gesellschaft und führt zur Lähmung des Landes.

Grüne Ideen sind bestimmt gut gemeint. Wenn man aber Fehler feststellt, sollten diese im Interesse der Bürger unseres Landes schnellstmöglich korrigiert werden. Das ist verantwortliche Politik.

Wer mehr zum Autor und zur Energiewende erfahren will nutzt bitte folgenden Link: https://tredition.de/autoren/klaus-hellmuth-richardt-33043/damit-die-lichter-weiter-brennen-hardcover-137617/

Admin - 06:08:31 @ Information