2019-05-28

Die äußerst bemerkenswerte Logik eines Bürgermeisters

…und seine durchsichtige effektheischende Empörung

Ein Artikel im Markgräfler Tagblatt vom 24. Mai 2019, unter dem Titel „Abgrabung erhitzt die Gemüter“ macht deutlich, wie sehr sich Bürgermeister entsetzen können und sich öffentlichkeitswirksam mit breiter Brust und starken Worten für den Erhalt der Umwelt einsetzen. So auch hier der Bürgermeister aus Zell im Wiesental, Peter Palme, der sich mit großer Empörung anlässlich der Herrichtung eines Ablageplatzes für Heuballen auf einer landwirtschaftlich genutzten Wiese inszeniert. Derselbe Bürgermeister nebenbei, der entscheidend mitgewirkt hat an einem Vertrag mit den bereits im Südschwarzwald naturzerstörerisch aufgetretenen Investoren Elektrische Werke Schönau, EWS, und ENERCON. Beiden Unternehmen wird damit, unweit vom Schauplatz der  dargestellten dramatischen Bürgermeister-Empörung, die ungleich stärkere Zerstörung eines ganzen Höhenzugs, des Zeller Blauen, mit 232 Meter hohen Windkraftwerken gestattet und ermöglicht. Stellt sich für das Publikum nur die Frage zur Tiefe des moralischen Abgrunds, der bei der Berichterstattung sichtbar wurde: Die oberflächliche Abgrabung kann wohl kaum mithalten. Weitaus abgrundtiefer geht da die aufgeregte durchsichtige Empörung und das erkennbare  rücksichtslose politische Handeln mit seinen fatalen Folgen für die Natur und die in der Nähe von oder gar unter lärmenden Windkraftwerken lebenden Menschen.

Lesen Sie im Folgenden den Leserbrief vom 29.05.2019 im Markgräfler Tagblatt über

die bemerkenswerte Logik eines Bürgermeisters:
 

Eine halbe Seite inklusive großem Foto nimmt der Artikel vom 24. Mai ein. Von einer in die Landschaft geschlagenen Wunde ist die Rede. Einen unhaltbaren Vorgang nennt Bürgermeister Peter Palme die Abgrabung auf Privatgelände für landwirtschaftliche Zwecke (Lagerfläche von Heu- und Strohballen) von ca. 85 m x 20 m (1700 qm) und eine Landschaftszerstörung von „großem Ausmaß“ in einem Erholungsgebiet.

Dies ist mehr als „bemerkenswert“ bedenkt man, welche Zerstörung der unberührten Landschaft und von Kulturgut in „dem“ Erholungsgebiet“ des Zeller Berglandes der Bau von den geplanten 9 Windkraftanlagen auf dem Höhenrücken des Zeller Blauen mit massiven negativen Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt und den dort wohnenden Menschen mit sich bringt.

Zum Vergleich einige Daten beim Bau einer 200m hohen Windkraftanlage (Quelle: BI Berken):                            

Pro Windkraftanlage müssen (inklusive Infrastrukturfläche) ca. 10.000 qm Wald gerodet werden.

Dauerversiegelt bleibt die Grundfläche des Fundaments und der Kranstellfläche mit ca. 1.800 qm plus Zuwegung.

Das Fundament hat einen Durchmesser von ca. 20-30 m mit einer Tiefe bis 4 m
Verbaut werden dabei 1.300 Kubikmeter Beton und 180 t Stahl.

Bei einer Tiefgründung werden zusätzlich ca. vierzig 15 m lange Betonpfeiler in den Boden gerammt.

Gewicht des Fundaments ca. 3.500 t

Gesamtgewicht von einer Windkraftanlage 7.000 t

Die Rotoren überstreifen eine Fläche von 2 Fußballfeldern.

Wie jede Industrieanlage erzeugen Windkraftanlagen Infraschall und Schattenschlag und das ständig, wobei der Schattenschlag im Windatlas als gesundheitsschädlich bezeichnet wird.
Darüber hinaus ist unbestritten, dass der Wald bei der Bekämpfung des Treibhauseffektes eine entscheidende Rolle spielt: Er entzieht der Atmosphäre CO2 und speichert dieses. Als Faustregel gilt:

1 Hektar Wald speichert pro Jahr über alle Altersklassen hinweg ca. 13 t CO2  (Quelle: 3. Bundeswaldinventur)

Bürgermeister Peter Palme will sich mit allen Mitteln gegen das – wie klar verdeutlicht – vergleichsweise unbedeutende Vorhaben auf dem Pfaffenberg wehren.

So darf und muss man wohl davon ausgehen, dass er sich umso mehr und nachdrücklicher für die Erhaltung der Natur (Landschaft, seltene Tier- und Pflanzenarten usw.) auf dem Höhenrücken des Zeller Blauen einsetzt! Oder wird hier mit zweierlei Maß gemessen unter Hinzuziehung von fadenscheinigen Argumenten?

Johanna Matte, Armin und Ursula Eckenstein

Admin - 20:47:01 @